Die meisten von uns gucken Fernsehen, schauen sich DVDs an oder gehen ins Kino. Dass wir uns dabei die Umsetzung einer Idee ansehen, ist uns oft bewusst und wir fragen uns manchmal: Wie kommen diese Ideen zustande? Diese Frage beantwortet jeder anders, schließlich sind Ideen etwas sehr Individuelles. Ausnahmslos jede Idee benötigt aber auch technisches Equipment, um umgesetzt zu werden. Erst als ich bei einem Kurzfilm mitgewirkt habe, ist mir bewusst geworden, welches Maß an Ausstattung bereits für Kurzfilme von Schülern verwendet bzw. benötigt wird. Auf der IdeenExpo habe ich Daniel Hercenberger kennen gelernt, der sich unter anderem sehr für das Filmemachen interessiert und dessen letzter Film „Hyperpolar” sogar ausgezeichnet wurde. Bei seinem neuen Projekt „Das Geschenk der Weihnacht” durfte ich als Schauspieler mitwirken, was eine sehr interessante Erfahrung für mich war. Hier also ein Beispiel für den vielseitigen Einsatz von verschiedenster Technik, der für unser visuelles Entertainment sorgt.
Mit Skript und Kamera gerüstet können wir uns an den gewünschten Drehort begeben. Dort angekommen stellen wir fest, dass der Star etwas unterbelichtet ist … äähhh, ich meine: die Gesichter unserer Stars leider etwas unterbelichtet sind
Was muss her? Tageslichtlampen - und zwar im großen Stil! Mit diesen Lampen ist es nun möglich, die Schatten so zu setzen wie es erwünscht ist und auch die Gesichter angemessen zu beleuchten. So kann in geschlossenen Räumen auch der Eindruck erzeugt werden, es wäre noch Tag, ohne tatsächliches Tageslicht zu haben.
Stummfilme waren gestern, deshalb brauchen wir natürlich auch etwas um den Ton aufzuzeichnen. Handys und kleinere Kameras besitzen ein eingebautes Mikrofon. Um jedoch die Qualität zu verbessern, wird der Ton oft separat aufgezeichnet. Hierfür wird ein Mikrofon an einer langen „Angel” befestigt und mit dem Aufzeichnungsgerät verbunden. Deshalb wird das Halten des Mikrofons auch „angeln” genannt. Rauschen, das durch Wind verursacht wird, stört oft bei Tonaufnahmen - die Lösung nennt sich „Dead Cat”. Der Name ist auf das Aussehen dieses puscheligen Mikrofonüberzugs zurückzuführen. Ähnlich wie ein dicker Schal schützt das „Dead Cat” das Mikrofon vor Windgeräuschen, während andere Klänge immer noch aufgezeichnet werden.
Wir können Bild und Ton aufzeichnen und sind am Drehort angekommen, es kann also losgehen. Aber halt! Nach dem ersten Versuch stellen wir fest, dass das Bild zu sehr wackelt. Abhilfe schaffen diverse Hilfsmittel, wie zum Beispiel ein Stativ. Damit die Kamera dennoch bewegt werden kann, ist es möglich, das Stativ auf Schienen oder Rollen zu setzen. Für mehr Bewegungsspielraum, allerdings etwas weniger Bildstabilität, sorgt eine „Steadycam”. Der Kameramann trägt die Kamera nicht direkt. Stattdessen wird die Kamera an einem voll beweglichen Arm befestigt, der wiederum an einer Weste befestigt ist, die der Kameramann trägt. Wenn dieser sich nun bewegt, werden seine Bewegungen durch den Arm ausgeglichen, sodass die Kamera selbst sich nicht hin und her bewegt.
Bevor es endgültig losgehen kann, gilt es noch dafür zu sorgen, dass der aufgezeichnete Ton anschließend auch zu dem aufgezeichneten Bild passt. Schließlich möchten wir, dass zum Beispiel die Lippenbewegungen auch zum Gesprochenen passen und eine Pistole nicht knallt, bevor sie abgefeuert wird. Hier kommt eine Filmklappe zum Einsatz, die für jede Aufnahme einmal vor der Kamera laut zugeklappt wird. Auf diese Weise können in der Nachbereitung der „Klack” - Ton und das Zuklappen im Bild als Anhaltspunkte für Synchronität benutzt werden.
Nun steht die Technik und die Schauspieler, Tiere oder Naturgewalten, die in Szene gesetzt werden sollen, sind gefragt.
Der nächste Schritt beginnt da, wo die Arbeit der Darsteller aufhört - es ist die Nachbereitung.

Zunächst werden Film- und Tonaufnahmen auf den Computer gespielt, da heute alles in digitaler Form bearbeitet wird. Anschließend werden die Dateien in ein spezielles Filmbearbei- tungsprogramm geladen, wobei Bi-, Ton- und andere Spuren alle separat zu bearbeiten sind. Damit nun auch das Timing von Bild und Ton stimmt wird auf die Filmklappe gesehen und alles zurechtgerückt. Das Programm ermöglicht dem Benutzer jetzt umfangreichste Möglichkeiten, was die Bearbeitung betrifft. Angefangen bei Farbkorrektur, über Toneffekte, bis hin zum simplen Schneiden des Materials, was bei der Nachbereitung das Wesentlichste ist. Hierdurch bekommt der Film nämlich erst die richtige Ordnung, da oftmals nicht chronologisch gedreht wird. Wenn zum Beispiel mehrere Szenen am gleichen Ort spielen, können diese gleich nacheinander gedreht werden, da am Computer alles beliebig verschoben werden kann. Darüber hinaus werden so die verschiedenen Kameraeinstellungen während einer Szene zusammengesetzt, was dem Film mehr Dynamik verleiht. Des Weiteren können neben der richtigen Tonaufnahme auch noch Musiksequenzen hinzugefügt werden, denn was wäre ein Film ohne Filmmusik?
Die Abläufe und die Ausstattung, die ich beschrieben habe, kommen bei kleineren Projekten zum Einsatz, während z.B. in Hollywood alles in viiieeel größerem Maßstab verwendet wird. Die wichtigen Grundprinzipien sind jedoch die selben.
All diese Technik wird meist von einem Team von Spezialisten bedient, jeder konzentriert sich auf seinen Job. So wird Zeit gespart und Qualität gewonnen! Hobbyfilmer wie z.B. Schüler stellen hier allerdings zunächst mal eine “one for all”-Einheit dar und lernen so die Materie im Detail und von der Pieke auf. Wer in diesem Metier also später beruflich Fuß fassen möchte, kann somit zwar in bescheidenem Rahmen aber dennoch auf einen breiten Erfahrungsschatz zurückgreifen.
Ob Scriptwriter, Regisseur, Beleuchter, Tontechniker oder Cutter - die Filmbranche ist aus meiner Sicht hochinteressant! Wie wir am Beispiel von “Avatar - Aufbruch nach Pandora” sehen können, tut die fortschreitende technische Entwicklung ihr Übriges: Die Filmbranche hat sich wie keine andere weiterentwickelt und durchgesetzt. Das immer wieder totgesagte Kino erlebt einen immensen Aufschwung. Die nächste Entwicklungsstufe des Films - 3Dimensionalität - sorgt dafür, dass trotz Wirtschaftskrise in der Filmindustrie soviel Umsatz gemacht wird, wie noch nie! Keiner weiß, was die Zukunft noch bringt aber ein Ende des Fortschritts oder das Ausbleiben von Ideen ist noch lange nicht in Sicht!



