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Mit sonnengebräuntem Gesicht und einem Fernglas in der Hand steht der Mann in der khakifarbenen Uniform auf der Brücke. Er blickt in die Ferne. Heute leichter Wellengang. Die Sonne bricht sich im kristallklaren Blau des Meeres. Er spürt die Schweißperlen auf seiner Stirn, es ist heiß. Ihn umgibt nichts als Wasser, sein Arbeitsplatz ist ein schwimmender Blechkörper. Ein Blick auf die Weltkarte zeigt: Einen Großteil unseres Planeten hat er bereits gesehen…

Romantische Klischees wie diese treffen auf die moderne Seefahrt nicht immer zu. Trotzdem verbirgt sich hinter der Berufsbezeichnung „Kapitän“ ein spannender und abwechslungsreicher Job.

Was verbirgt sich wirklich hinter dem Traumberuf Kapitän?

Die Seeschifffahrt ist nach wie vor ein volkswirtschaftlich wichtiger Zweig des nationalen und internationalen Handels. Tagein tagaus kaufen wir Kiwis, auf deren Aufkleber „Product of New Zealand“ steht, tragen Klamotten „made in China“ und heizen mit Öl, das via Tanker einmal um die Welt nach Deutschland transportiert wurde. Wenn wir dann genüsslich in eine Banane beißen, die vom anderen Ende der Erde kommt, machen wir uns wenig Gedanken darüber, über welchen Weg sie es in den heimischen Supermarkt geschafft hat. Der Warenaustausch zwischen den Kontinenten wird heute zu 98 Prozent von Container-Schiffen erledigt, rund 60 Prozent aller Importprodukte nach Deutschland werden auf dem Seeweg eingeführt.
Auftrag der Kapitäne ist es, das ihnen anvertraute Schiff mit Besatzung und Ladung sicher und pünktlich ans Ziel zu bringen. Die Seefahrt ist dabei keine reine Männerdomäne mehr: Frauen in maritimen Führungspositionen gehören immer mehr dazu. Um einen Ozeanriesen zu navigieren und zu manövrieren, sind viele Kenntnisse und Fähigkeiten erforderlich. Um die Überwachungs-, Steuerungs- und Antriebstechniken in ihren Anwendungsmöglichkeiten zu nutzen, ist immenses Know-How notwendige Voraussetzung. Früher gab es nautische Geräte wie den Sextanten. Inzwischen gibt es an Bord eines modernen Containerschiffes mehr High-Tech als in einem Passagierflugzeug.
IdeenExpo in Sicht – Spiel’ Kapitän auf großer Fahrt
Die Seefahrtsschule Leer ist einer der Sponsoren und Aussteller der IdeenExpo 2009. Am Stand der Leeraner Jungreedereien haben Besucher die Möglichkeit, Kapitän auf großer Fahrt zu spielen und Schiffe zu manövrieren.

Ich habe Vorab mit Holger Buß gesprochen, der an der Seefahrtsschule Leer im Bachelor-Studiengang Nautik studiert.

Wie technik- und naturwissenschaftsbezogen ist die Arbeit des Nautikers eigentlich?

Zu den Studienschwerpunkten des Bachelor-Studiengangs „Nautik“ zählen Schiffsführung, Navigation, Meteorologie, maritimes Englisch, aber auch Seefahrtbezogene Naturwissenschaften, Mathematik, Physik, Schiffstechnik, Umweltschutz und Sicherheit sowie Ladungsumschlag und Stauung.
Um zu begreifen, warum ein Schiff schwimmt, ist es wichtig, physikalische Grundsätze verstanden zu haben. Die Stabilität eines Schiffes, aber auch beispielsweise die Verdrängung basieren auf physikalischen Gesetzen. Beim Transport gefährlicher Ladung ist chemisches Verständnis gefragt.

Welche Voraussetzungen sollte man erfüllen, wenn man Nautiker werden möchte?

Die Grundvoraussetzung für eine Karriere als Nautiker ist die Seediensttauglichkeit. Dazu gehören ein gutes Hör- und Seh- sowie ein intaktes Farbunterscheidungsvermögen. Außerdem dürfen keine chronischen Krankheiten vorhanden sein. Erwartet werden von Bewerbern außerdem ein guter Realschulabschluss, Fachhochschulreife oder Abitur.  Außer der Liebe zum Beruf sind Durchsetzungsvermögen, Einfühlungsvermögen und Teamgeist gefordert. An Bord leben die Menschen ständig auf engem Raum zusammen.  Bedingt durch die verschiedenen Länder die angelaufen werden, hat man mit vielen unterschiedlichen Kulturen zu tun, deshalb ist es wichtig, tolerant zu sein.

Als Nautiker fährt man nicht zwangsläufig das ganze Leben zur See. Für viele ist der Kapitän nur ein Durchgangsberuf. Welche Einsatzbereiche gibt es an Land?

Wer an Land leben und trotzdem auf Schiffen arbeiten möchte, ist bei den Lotsen gut aufgehoben. Jobs für Kapitäne gibt es außer auf Schiffen auch in schifffahrtsbezogenen Landpositionen, wie in/als:
-Frachtumschlags- und Lagerunternehmen im Hafenbereich
-Hochschulen in den Bereichen Nautik, Seefahrt, Schiffsbetriebstechnik
-Reedereiinspektionen
-öffentlichen Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen
-Speditionen / Lagerbetriebe
-Hafenagenten
-Schiffsmaklerbüros und -agenturen
-Maritimes Consulting
-Im- und Exporteure
-Besichtiger
-Erst- und Rückversicherer
-Schiffsfinanzierer (Banken und Emissionshäuser)
-Hersteller maritimer Software
-Verbänden und Gewerkschaften

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Ein Kommentar zu “Kapitän: Made in `Bachelor-Studiengang Nautik´”

  1. karlaam 12.01.2010 um 17:46

    Ich muss ein Lob aussprechen! Obwohl die IdeenExpo längst vorbei ist, macht es immer noch Spaß und ist mega interessant, diese Beiträge zu lesen. Mir wäre kein vergleichbares Medium bekannt, dass mit so viel “Jugendlichem Elan” berichtet. ;)
    Schade, dass die IdeenExpo und der Ideenfinderblog nicht mehr erweitert werden. Gruß aus Hamburg, Karla

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